GoBD und Abschlussprüfung

Im Rahmen einer Abschlussprüfung ist die Verlässlichkeit und Ordnungsmäßigkeit der Buchführung zu beurteilen, um ihre Glaubhaftigkeit zu erhöhen. Dabei ist vor allem festzustellen, ob einschlägige ge-setzliche Vorschriften und die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) beachtet wurden. Im Steuerrecht hingegen dient die Außenprüfung der abschließenden Ermittlung steuerlich relevanter Sachverhalte. Zwar soll durch die Einsicht in Bücher und sonstige Aufzeichnungen ebenfalls die Ord-nungsmäßigkeit der Buchführung verifiziert werden, jedoch nur um einen adäquaten Gesetzesvollzug sicherzustellen. Weil Unternehmensprozesse, zu denen auch die Buchführung zählt, nahezu durchgehend mithilfe von IT-Systemen abgebildet werden, bedingt ihre Verifikation auch eine Prüfung der IT-Systeme. Anderenfalls kann keine Aussage im Hinblick auf die Ordnungsmäßigkeit von Verfahren und vor allem von Daten, die sodann als Basis für die weitere Prüfung dienen, getroffen werden.

Trotz unterschiedlicher Ziele haben Abschluss- und Außenprüfung den gleichen Beurteilungsge-genstand: die Feststellung, ob die Erfüllung von Buchführungs- und Aufbewahrungspflichten den ge-setzlichen Anforderungen entspricht. Die bisherigen Abweichungen waren überwiegend steuerrechtli-cher Natur und für die Beurteilung der Ordnungsmäßigkeit der Buchführung durch den Abschlussprü-fer kaum von Belang. In den neugefassten Grundsätzen zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbe-wahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff (GoBD) werden die bis Ende 2014 noch geltenden Grundsätze ordnungsmäßiger DV-gestützter Buchführungssysteme (GoBS), die Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen (GDPdU) sowie die Fragen und Antworten zum Datenzugriffsrecht der Finanzverwaltung zusammen-gefasst, aktualisiert und durch neue Anforderungen ergänzt. Unter Berücksichtigung der neuen Anforderungen kann die gesamte Buchführung unter GoBD-spezifischen Gesichtspunkten als nicht ordnungsgemäß zu beurteilen sein, während sie gleichzeitig den handelsrechtlichen Vorgaben vollumfänglich entspricht.

Quellenangabe:
    Michael Goldshteyn

    Die Wirtschaftsprüfung (WPg)

    Ausgabe 19/2015

    Seite 992-999
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